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[10 und 11] Zehn Jahre später werden die ersten Überblicksausstellungen
von Duchamp einer breiten Öffentlichkeit präsentiert und es
kann schon von einer kunsthistorischen Einbalsamierung gesprochen werden.
Die beiden Ausstellungen in Pasadena eine Retrospektive und in
Stockholm eine Galerieausstellung von Ulf Linde greifen auf die
Präsentationsform der Boîte zurück, was weniger
an der Position des Pissoirs deutlich wird, als an der vertikal ausgerichteten
Nachbarschaft der drei Readymades aus der Boîte. In
Pasadena wird vermutlich auf die 1950er Replik zurückgegriffen, aber
Ulf Linde erbittet sich von Duchamp die Erlaubnis zur Wiederholungstat.
Das im April 1963 in Stockholm ausgestellte Pissoir signiert Duchamp später
mit R. Mutt 1917, nachdem die zur Ausstellung von Linde selbst
vorgenommene Signatur wieder entfernt worden war. Die Akribie dieses Details
zeigt, wie sehr dieser Vorgang die Readymade-Geste respektiert, obwohl
ihre Einmaligkeit vervielfältigt wurde.
Diese erstmalige Präsentationsform der drei übereinandergehängten
Readymades bewährt sich offenbar, so daß auch Pasadena im Oktober
desselben Jahres die Konstellation aus der Boîte aufgreift.
Dieser im Grunde kunstwissenschaftliche Bezug nimmt die Boîte
sehr ernst und suspendiert nachhaltig die Position, die die Stieglitz-Fotografie
favorisiert, indem man dieser bildhaften Position mit einer anderen entschieden
widerspricht. Dabei wird natürlich der Stellenwert der Fotografie
als der erste Stellvertreter für das verschollene Objekt nicht in
Zweifel gezogen.
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