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[4] Und wenn das Objekt einmal auftaucht, stellen sich sogleich neue Fragen.
Im Atelier von Duchamp hängt das Pissoir an einem Schraubloch fixiert
vom Türrahmen, ohne daß seine signierte Flanke in Augenschein
genommen werden kann. Denn daran könnte man zumindest ermessen, ob
diese Fotografie vor oder nach der Independents-Ausstellung aufgenommen
wurde. So jedoch lassen sich drei Dinge festhalten, die auch eine offensichtlich
zeitgleich aufgenommene zweite Aufnahme betreffen:
1. Eigentlich bleibt es offen, ob die Signatur alleine über die Aufstellung
des Porzellanbeckens entscheiden läßt. Der Rolle als primärer
Einrichtungsgegenstand einer Herrentoilette ist das Objekt längst
durch die Signatur, den Titel und die beabsichtigte Ausstellung enthoben.
2. Nicht jede Fotografie ist der Stellvertreter eines Werkes bei Duchamp
und sollte dementsprechend mit seinem Kontext relativiert werden. Aber
an diesem Foto wird auch deutlich, wie sehr die Stieglitz-Fotografie das
Verständnis von Fountain bis heute imprägniert hat.
Duchamp beeinflußte Stieglitz zwar sehr bewußt (siehe de Duve
S. 104ff), aber damit hat er wohl kaum den Verlauf der sich daran entzündenden
Rezeption vorhersehen können.
3. Es könnten sowohl aus Gründen der Raumnot als auch der Schalk
Duchamps gewesen sein, gleich mehrere seiner Readymades an die Decke zu
hängen. Im Umkehrschluß hat er auch einen normalerweise an
der Wand befestigten Garderobenhaken auf den Fußboden genagelt
das Readymade Trébuchet ist ebenfalls aus dem Jahr
1917. Allen gemeinsam bleibt aber, daß ihnen im Sinne der Readymade-Strategie
ihre Funktion entzogen wurde.
Für Abbildung 4 gilt zudem noch folgender Hinweis: der schwebende
Zustand der Objekte (einer Idee gleich, die im Raum steht)
stellte Duchamp noch die Verflüchtigung der Autorenschaft an die
Seite. Dieses Mal allerdings nicht durch das Pseudonym R. Mutt
das ja ohnehin nicht einsehbar ist , sondern in persona.
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