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Fountain aus der Boite,
produziert 1938-1940,
7,6 x 5,8 x 4,5 cm; mit Etikett
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[5] Als ich vorhin von 33 Jahren ohne Objektstatus sprach, meinte ich
natürlich ein Pissoir, welches zumindest theoretisch seine Funktionstüchtigkeit
wiedererlangen könnte. Denn strenggenommen sind es nur 24 Jahre,
die die Stieglitz-Fotografie als alleiniger Stellvertreter für sich
beanspruchen kann. Von 1938 bis 1940 arbeitete Duchamp an dem Miniaturmodell
von Fountain für seine Schachteledition de ou par
Marcel Duchamp ou Rrose Sélavy, in die die meisten bis dahin
entstandenen (und im Falle der Readymades auch verschollenen) Arbeiten
Duchamps in einer verkleinerten Reproduktionsfassung aufgenommen wurden.
Im Zuge der sogenannten Boîtes, deren erste 1941 und
die letzte in einer Reihe von über 300 Exemplaren erst nach Duchamps
Tod erscheint, werden ungefähr 340 Exemplare (nach vier leicht voneinander
unterschiedenen Modellen) gefertigt, die durchaus einem handelsüblichen
Pissoir entsprechen: Keramik mit Porzellanglasur. Und das Etikett, das
Duchamp jeder Arbeit in der Boîte an die Seite stellt,
verweist wie eine Karteikarte in der Bibliothek auf das Originalobjekt.
Der Stellenwert des Etiketts kann hier übrigens daran ermessen werden,
daß Duchamp die wenigsten Miniaturpissoirs signiert hat (einige
wenige schon!).
Aufschlußreich ist noch der Umgang mit den Namen. Der Titel der
Edition führt Rrose Sélavy als Co-Autorin an,
unter deren Pseudonym Duchamp ja auch mehrere Arbeiten entstehen ließ
und als weibliches Pseudonmym ist Rrose Sélavy tatsächlich
eine Erweiterung der Künstlerperson Duchamp. Richard Mutt bleibt
einzig für das Pissoir vorgesehen, ist also ein Platzhalter für
den Künstler. Duchamp müßte diesen Namen nicht mehr erwähnen,
da die Kunstwelt den eigentlichen Autor mittlerweile längst kennt,
aber der wortspielerische Umgang (dazu Türr S. 225f) und der historische
Hergang der anvisierten Ausstellungsbeteiligung sollen durch diesen Namen
mit dem Werk verbunden bleiben.
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