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[9] Drei Jahre später, am selben Ort, übernimmt Duchamp verschiedene
Aufgaben für die Dada-Schau in der Sidney-Janis-Galerie. Er schlägt
die Künstler vor, plant den Aufbau, gestaltet den Katalog (der zugleich
das Plakat ist) und überwacht die Hängung. Unter seiner Hand
wird die 1950er-Replik von Fountain dieses Mal oberhalb des
Türdurchgangs an den Rahmen gehängt (doppelt kopfüber)
und an dem Wasserzuflußrohr mit einem Mistelzweig bestückt!
Hier findet sich ein dem Dada-Geist verwandter Ausstellungsaufbau, aber
auch ein ironischer Rückblick auf die ersten Jahrzehnte Fountain-Diskurs.
Daß die Positionierung in der Theorie eher eine Nebenrolle gespielt
hat, während sie im Ausstellungszusammenhang an Bedeutung gewinnt
(wo eine Entscheidung zur Positionierung getroffen werden muß),
zeigt sich hier als augenzwinkernde Beliebigkeit. Wohl nicht zu unrecht
fühlen wir uns dabei an die private Hängung im Atelier erinnert,
die ich unter Abbildung 4 bereits vorgestellt habe. Diese Geste dürfte
einem Fachpublikum dadurch halbwegs zugänglich gewesen sein, weil
die Fotografie, die der Abbildung 4 verwandt ist, von Duchamp überarbeitet
in die Boîte aufgenommenen wurde (um dort allerdings
ein anderes Readymade hervorzuheben). Aber um die Überlieferung des
Stieglitz-Fotos nachhaltig zu verwässern, mußte er mit deutlicheren
Mitteln arbeiten. Wo sich der inhaltliche Ansatzpunkt von Fountain
eigentlich nie grundlegend ändert, behält sich Duchamp in der
Präsentation einen Freiraum vor, der ihm die Möglichkeit zu
Kommentar, Selbstironie und Verunsicherung der kunstkritischen Selbstgewißheit
gibt.
Übrigens zeichnet der Katalog zu dieser Ausstellung Fountain
als ready-made replica aus; wo der Bindestrich die kleinere
Neuerung ist, ist die Umschreibung an sich eine Pointierung des vorhin
Gesagten: die Replik eines Readymade kann nicht nur ein Objekt meinen,
es impliziert die Geste.
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